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Nach 14 Tagen hatte die Wehrmacht gesiegt – fast

Bis Anfang Juli 1941

überrannte die Wehrmacht mehrere sowjetische Armeen und machte Hunderttausende Gefangene. Die Führung hatte bereits von Sieg vor Augen – und übersah dabei die eigenen Probleme.

Die Zahlen waren beeindruckend: Innerhalb von zweieinhalb Wochen waren deutsche Panzer bis zu knapp 600 Kilometer weit vorgestoßen. Am Abend des 8. Juli 1941 lagen die Spitzen der Heeresgruppe Mitte bei Witebsk und Mogilew im östlichen Weißrussland.
An diesem Tag endete die erste große Kesselschlacht im deutsch-sowjetischen Krieg; vier Armeen mit 323.898 Soldaten gingen in Gefangenschaft. Ihre rund 3300 Panzer waren zerstört, 1809 Geschütze erbeutet worden. Weitere 90.000 Rotarmisten waren gefallen oder kampfunfähig verwundet.
In seinem täglichen Diktat in der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1941 jubelte Joseph Goebbels: „Unsere Fortschritte im Osten sind erfreulicherweise außerordentlich.“ Bei Minsk sei ein riesiger Kessel „liquidiert worden“. Der Propagandaminister stellte fest: „Wir haben eine unübersehbare Beute gemacht.“

Franz Halder, der Generalstabschef des Heeres, hatte schon kurz vorher Hitler gemeldet: Von 164 bekannten sowjetischen Divisionen wären bereits mehr als die Hälfte, nämlich 89, „vernichtet“. Kampffähig seien nur noch 46, von weiteren elf sei der Standort unbekannt. Maximal stünden den 150 deutschen Divisionen, ergänzt um weitere 35 Divisionen der Verbündeten, also noch 57 sowjetische Verbände gegenüber.

Dazu schien zu passen, was das Oberkommando der Wehrmacht in seinem internen Bericht an die Führung des Regimes vom 9. Juli festhielt: „Die allgemeine Feindbewegung geht rückwärts nach Osten.“
Das „Unternehmen Barbarossa“ schien auf ganzer Linie ein Erfolg zu werden, ganz wie geplant: ein Blitzsieg nach einem Blitzkrieg. Doch die Wirklichkeit sah anders aus: Die Wehrmacht war dabei, sich „müde zu siegen“, wie es der Historiker Christian Hartmann vom Institut für Zeitgeschichte formuliert. Das gewaltige Vordringen der deutschen Panzerspitzen stimmte zwar, ebenso wie die Zahl der Gefangenen. Und war doch nur die halbe Wahrheit, höchstens.

Denn die Angriffskeile des deutschen Ostheers, die beiden Flügel der Heeresgruppe Mitte und der linke Flügel der Heeresgruppe Süd, hatte vor allem aus einem Grund so schnell so weit einbrechen können: Weil man das riesige Gebiet der Pripjat-Sümpfe „bewusst ignoriert“ hatte, wie der Historiker Rolf-Dieter Müller schreibt, viele Jahre Leiter der Abteilung Zweiter Weltkrieg am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr in Potsdam.

Halder und seine Stabsoffiziere wollten die Rote Armee westlich des Stroms Dnjepr vernichtend schlagen. Dazu musste die Heeresgruppe Mitte möglichst viele sowjetische Verbände zwischen den beiden Panzergruppen 2 unter Heinz Guderian und 3 unter Hermann Hoth einschließen.

Um diesen Kessel so groß wie möglich zu machen, schwenkten die beiden Panzergruppen aber erst hinter Minsk aufeinander ein. Doch den gerade einmal neun Panzerdivisionen der beiden Gruppen gelang die völlige Einschließung nicht; auch die nachfolgende Infanterie der 4. und der 9. deutschen Armee misslang die befohlene völlige „Ausräumung“ des Kessels.

Elf sowjetische Divisionen konnten sich einigermaßen intakt der Einschließung entziehen. Zehntausenden weiteren Rotarmisten gelang die Flucht in die unwegsamen Pripjat-Sümpfe. Von hier aus begann der Partisanenkrieg, der die Wehrmacht fortan enorme Verluste kostete – und den Vorwand zu grauenhaften Verbrechen lieferte.
Noch aber sah Franz Halder, der hochbegabte Generalstabschef des Heeres, das nicht.

Am 3. Juli 1941 hatte er in sein dienstliches Tagebuch notiert: „Es ist also nicht zu viel gesagt, wenn ich behaupte, dass der Feldzug gegen Russland in 14 Tagen gewonnen wurde.“ Am selben Tag schrieb er in einem Brief an eine Mitarbeiterin sogar, dass „der Russe“ den Krieg „in den ersten acht Tagen verloren“ habe.
Richtig war daran, dass die sowjetischen „Verluste an Toten und Gerät unvorstellbar“ waren. Doch Halder erkannte nicht, was ihm eigentlich die täglichen Lagemeldungen seiner Verbände hätten sagen müssen: Auch die Wehrmacht erlitt enorme und nicht zu ersetzende Ausfälle.
Erst zwölf Tage nach dem Ende der Kesselschlacht von Minsk verstand er den Ernst der Lage. Am 21. Juli 1941 schrieb er auf einmal, die Lage sei „nicht sehr erfreulich“, ja „unerfreulich“. Die „Ermüdung der ununterbrochen marschierenden und kämpfenden Truppe“ habe „einen gewissen Rückschlag in der Stimmung erzeugt“.

Die Wehrmacht hatte sich bereits nach vier Wochen erschöpft, ohne einen entscheidenden Sieg errungen zu haben. Trotz unübersehbar vieler Gefangenen und gewaltiger Beute. Der geplante Blitzkrieg gegen Stalins Reich war gescheitert.

Von Johann Althaus, in: welt de veröffentlicht am 08.07.2016


Der Beitrag wurde am Samstag, den 1. Juli 2017 um 00:17 Uhr unter der Kategorie Vorstand veröffentlicht. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen und selbst einen Kommentar schreiben.

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