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« Was 1941 die Schlacht um Moskau entschied  |  

Als die Ostfront 1943 fast zusammengebrochen wäre

Die Kämpfe an der Ostfront im November 1943 unterschieden sich deutlich von denen der beiden vorangegangenen Jahre.

Zwar hatten 1941 (vor Moskau) und 1942 (in Stalingrad) Großoperationen stattgefunden. Aber für viele Einheiten an anderen Frontabschnitten war bis dahin bereits die Order „für die Ausbildung im Winter“ ergangen, das heißt, sie bezogen einigermaßen sichere Winterquartiere.

Dabei kam ihnen das Wetter zu Hilfe. Nach den ersten Nachtfrösten begann die Rasputiza, die Schlammperiode, in der viele Wege selbst für Kettenfahrzeuge kaum passierbar waren. Darauf folgte der russische Winter, der große Truppenbewegungen deutlich erschwerte. Anders als in den beiden Vorjahren kam er 1943 aber spät und fiel ungewöhnlich mild aus.

Das bedeutete, dass die nahezu pausenlosen Kämpfe, die sich an die gescheiterte deutsche Offensive gegen Kursk im Juli anschlossen, einfach weitergingen. In einem Lagebericht von Anfang Dezember heißt es: „Es ist jetzt bei allen Teilen (der Verbände; d. Red.) … ein Grad der Erschöpfung eingetreten, der nicht mehr überboten werden kann.“ Der Zusammenbruch der Front schien nur noch eine Frage der Zeit.

Die sogenannte „Panther-Stellung“ am Dnjepr – überschwänglich auch „Ostwall genannt –, deren Ausbau Hitler schließlich nach langem Zögern genehmigt hatte, war in weiten Teilen nur eine brüchige Linie geblieben, die von den ausgedünnten Divisionen der Wehrmacht nur notdürftig bemannt werden konnte. An vielen Stellen hatte die mit großer Übermacht nachrückende Rote Armee schnell Brückenköpfe bilden können. Anfang November gelang ihr die Rückeroberung der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Bataillone, von Hauptleuten geführt

Erich von Manstein, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd, flog daraufhin in Hitlers Hauptquartier in Ostpreußen, um dem Diktator die Situation drastisch zu schildern. Divisionen hatten nur noch die Stärke von Regimentern, Bataillone wurden von Hauptleuten geführt und entsprachen Kompanien, Panzerkorps verfügten nur noch über ein paar Dutzend Kampfwagen.

Vor allem forderte Manstein den Rückzug der 17. Armee von der Krim, wo sie Gefahr lief, abgeschnitten und aufgerieben zu werden, während sie als Reserve an der Südfront die Chance zu einem operativen Gegenangriff geboten hätte. Manstein wurde dabei vom Chef der Abteilung Fremde Heere Ost, dem späteren BND-Leiter Reinhard Gehlen, unterstützt, der vor der Heeresgruppe Mitte eine Konzentration der sowjetischen Panzerverbände ausgemacht hatte: Ohne sofortige Schwerpunktbildung drohe „die Gefahr eines Zusammenbruchs der Ostfront“.

Hitler blieb stur. Er klammerte sich an die Vorstellung, ein Rückzug werde die ukrainischen und rumänischen Rohstoffe der Roten Armee ausliefern. Dass das bei einem Zusammenbruch der 17. Armee ohnehin geschehen würde, übersah er dabei geflissentlich. Als einziges Zugeständnis erlaubte der Diktator die Zuführung von zwei Panzer-Divisionen aus dem Westen.

Für die „Strategische Angriffsoperation von Kiew“, wie die Rückeroberung der Stadt in der russischen Militärgeschichtsschreibung genannt wird, hatte die Rote Armee 670.000 Soldaten, 7000 Geschütze, 675 Panzer und 700 Flugzeuge bereitgestellt. Mit diesen Mitteln war es ihr bis Mitte November gelungen, eine mehr als hundert Kilometer breite Lücke zwischen den Heeresgruppen Mitte und Süd der Wehrmacht zu öffnen.

Nicht einmal ein Teilerfolg

In dieser Situation erreichten die ersten Abteilungen der 25. Panzer-Division ihre Ausladebahnhöfe. Der Großverband war in Frankreich aufgestellt worden, war aber noch nicht vollständig ausgerüstet. Die Soldaten besaßen zwar eine notdürftige Einzelausbildung, jedoch keine Verbandsschulung für das Gefecht verbundener Waffen, das der Wehrmacht zumindest taktisch immer noch eine gewisse Überlegenheit gegenüber den sowjetischen Truppen verschaffte.

Hitler nahm darauf keine Rücksicht. Im Gegensatz zur Roten Armee wartete man normalerweise so lange, bis ein Frontverband auch innerlich zusammengewachsen war, bevor man ihn ins Gefecht schickte, analysiert der Historiker Karl-Heinz Frieser. Ihr erstmaliges Abweichen von diesem Grundprinzip wurde zu einem Menetekel. Zum ersten Mal sollte der Einsatz einer frischen Panzer-Division der Wehrmacht zu keinem temporären Teilerfolg führen. Die 25. Panzer-Division wurde im Abwehrkampf aufgerieben, bevor ihre Kampfwagen überhaupt eingetroffen waren.

Hitler tobte und suchte die Schuld einmal mehr bei den Kommandeuren vor Ort. Hermann Hoth, Oberbefehlshaber der 4. Panzer-Armee und einer der fähigsten Panzergeneräle der Wehrmacht, der ein Jahr zuvor noch den – schließlich gescheiterten – Entsatzangriff auf Stalingrad geführt hatte, wurde entlassen und durch Erich Raus ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt war die deutsche Gegenwehr nahe am Zusammenbruch, schreibt der berühmte britische Militärhistoriker Basil Liddel Hart. Stalins Behauptung anlässlich der Feier der Novemberrevolution, „der Sieg sei nahe“, wäre beinahe doch noch in Erfüllung gegangen.

Heftige Kritik an Stalin

Dass es doch nicht dazu kam, gehört zu den Wendepunkten des Zweiten Weltkriegs. In den Neunzigerjahren haben russische Historiker nach Revision zahlreicher Akten Stalin den Vorwurf gemacht, in dieser Situation und trotz drückender Überlegenheit an Menschen und Material den Krieg nicht zu einem erfolgreichen Abschluss geführt zu haben. „Die Fehlkalkulationen des Frontoberkommandos waren für die Truppen eine schwere Last“, heißt es nunmehr in der aktuellen Ausgabe des russischen Standardwerks zum „Großen Vaterländischen Krieg“. Danach wäre nicht Stalin, sondern die hohen Kommandeure an der Front die Verantwortlichen für das Ausbleiben des Sieges gewesen.

Aber weder die Stawka, das Hauptquartier in Moskau, noch die hohen Frontstäbe waren im Stande, ihre Möglichkeiten in operative Erfolge umzusetzen. Weiterhin ließ Stalin stur nach dem Lehrbuch angreifen. Und seine Generäle riskierten es nicht, dagegen eigene Vorstellungen zu entwickeln.

Während die Rote Armee frontal gegen die Stellungen der Heeresgruppe Süd anrannte, konnte Manstein noch einmal einen Befreiungsschlag anbringen. Mitte November befahl er einen Gegenangriff, der sich zu einem spektakulären Unternehmen ausweiten sollte.

Quelle: Berthold Seewald, in: Welt de veröffentlicht am 02.12.2013 |


Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 1. November 2017 um 15:02 Uhr unter der Kategorie Vorstand veröffentlicht. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen und selbst einen Kommentar schreiben.

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