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Stalingrad 1942 - Weihnachten in der Hölle

Stalingrad 1942 – Weihnachten in der Hölle

VON ULLI TÜCKMANTEL- 22.12.2012 – Rheinische Post - Seite A 6 - Panorama

Düsseldorf/Mönchengladbach (RP). Vor 70 Jahren waren deutsche Soldaten im Kessel von Stalingrad eingeschlossen. Ein Mönchengladbacher Pfarrer spendete den Eingeschlossenen Trost, als die Hoffnung längst gestorben war.

In den Tagen vor dem Fest 1942 schreibt Gustav Raab einen Weihnachtsgruß an die Soldaten der 14. Panzerdivision: “Liebe Freunde, die ehernen Rohre fauchen, die Stalinorgel brüllt, Sturzkampfflieger heulen über uns hinweg. Ich sitze beim Schein einer Kerze im muffigen Bunker und schreibe Ihnen während einer kurzen Pause einen herzlichen Gruß. Das Heldenlied von Stalingrad, das ich mit zu komponieren berufen bin, wird in späteren Zeiten gesungen werden. Heute besteht es nur noch aus Not und Tod.” Raab, 1905 in Mönchengladbach geboren, ist vor drei Jahren als Militärgeistlicher eingezogen worden und nun als katholischer Divisionspfarrer seit vier Wochen mit 200 000 Soldaten der 6. Armee im Kessel von Stalingrad eingeschlossen.

So gut es geht, hält Pfarrer Raab über Briefe Kontakt zur Gemeinde und zum Kirchenchor von St. Remigius in Viersen, wo er von 1937 bis 1940 Kaplan war. An Heiligabend sind die Temperaturen in Stalingrad auf minus 20 Grad gesunken, es ist eine klare, helle Mondnacht als Raab gegen 14 Uhr deutscher Zeit loszieht. Den ersten Soldaten bringt er den Weihnachtssegen in einem Omnibus, gegen 16 Uhr erreicht er den Hauptverbandsplatz und liest in einem großen Bunker die Mitternachtsmesse. “Die armen Verwundeten lagen in großer Zahl um den heiligen Tisch herum. Sie kamen ja alle, um arm und bedrängt wie die Hirten, aber mit kindlich-ehrlichem Herzen das Gotteskind auf dem Altare anzubeten”, schreibt er nach Viersen. Danach geht er an die Kampflinie, um 20 Uhr liest er die Messe in einem Frontbunker, “die Granaten und Leuchtkugeln waren die Christbaumkerzen”. So geht es die ganze Nacht weiter, um 3 Uhr nachts schläft Pfarrer Raab für ein paar Stunden in einem Erdloch. Er schreibt: “Ich habe schon viele ergreifende Stunden bei Soldaten an der Front erlebt, aber nie erlebte ich so tiefe heilige Stunden, welche der heiligen Nacht von Bethlehem so ähnlich waren. Die Freude und Dankbarkeit der Männer, welche zu dieser Zeit den Pfarrer nicht erwartet hatten, bleibt für diese und für mich allzeit unvergesslich. Sie haben geheult wie die Kinder und mir zum Dank die Fäuste geschüttelt.”

Die meisten Soldaten der 6. Armee ahnen längst, dass die Schlacht für sie kein gutes Ende nehmen wird. Jeden Tag sterben mindestens 1000 Soldaten im Kessel, die meisten jedoch nicht bei Kampfhandlungen, sondern an Seuchen und Erschöpfung. Zum ersten Mal seit dem Russland-Feldzug Napoleons verhungern deutsche Soldaten; 60 (offiziell gezählte) Hungertote gibt es allein an Heiligabend im Kessel. Das Kriegstagebuch der 6. Armee hält Weihnachten fest: “Seit 48 Stunden kein Einfliegen von Versorgung. Kräftezustand der Männer schnell im Absinken.”

Am Zweiten Weihnachtstag funkt General Friedrich Paulus um 8.50 Uhr an den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Don: “Widerstand Armee muss zusammenbrechen, wenn nicht bald ganze Maßnahmen für Versorgung getroffen werden. Neben Verpflegung, Betriebsstoff, Munition ab sofort täglich 250 Mann kampfkräftiger Ersatz Vorbedingung für längeres Aushalten.” Paulus weiß, dass er nichts davon erhalten wird. Am 23. Dezember hat die 4. Panzerarmee ihren (aussichtslosen) Versuch abgebrochen, in den Kessel vorzustoßen. Paulus schreibt an seine Frau: “Weihnachten war natürlich nicht schön. In solchen Zeiten besser keine Feiertage. Man darf, glaube ich, vom Glück nicht allzu viel verlangen.”

Stalingrad ist weder die größte noch die kriegsentscheidende Schlacht, zu der die Nazis den vermeintlichen “Opfergang” der 6. Armee stilisieren wollen. An Heiligabend lügen sie mit allen Mitteln der Propaganda-Kunst ein Heldenmärchen herbei. In der “Weihnachtsringsendung”, die der Großdeutsche Rundfunk von 19.25 bis 20.55 Uhr ausstrahlt, werden – angeblich – verschiedene Frontstellungen zusammengeschaltet. “Hier ist Stalingrad, hier ist die Front an der Wolga”, dröhnt es aus den Volksempfängern im Reich. Dann singen die Frontabschnitte gemeinsam “Stille Nacht, heilige Nacht.”

Der Düsseldorfer Dieter Peeters, heute 92 Jahre alt und einer der letzten Überlebenden der Schlacht, hat seine Erinnerungen in dem Buch “Vermisst in Stalingrad” niedergeschrieben. Er hörte die Weihnachtsringsendung in einer Kellerruine: “Wir schüttelten die Köpfe über einen Beitrag, der – angeblich aus unserem Frontabschnitt – in die Heimat übertragen wurde. Die Meinungen, ob das Lied ,Stille Nacht, heilige Nacht’ tatsächlich von einem Chor an der Wolga gesungen wurde, waren unterschiedlich. Manche akzeptierten diese Information, andere waren empört. Anschließend hörten wir Schauberichte über unseren ,heldenhaften’ Untergang”, so Peeters.

Er könne schwer ausdrücken, was sie an diesem Heiligabend bewegt habe, so Peeters: “Wir hausten in Erdlöchern, unsere Gedanken waren einige Tausend Kilometer entfernt bei den Menschen, die wir liebten.” Peeters denkt an die vielen Kameraden, die ihm nahestanden und die er verloren hat. In seinen Erinnerungen notiert er: “Der Kessel von Stalingrad erschien uns wie der Weltuntergang. Für manche Truppenteile blieb im Januar überhaupt nichts Essbares mehr. Täglich verhungerten Tausende von Soldaten. Sie fielen plötzlich um und waren tot. Es kam sogar zu einzelnen Fällen von Kannibalismus; aus Toten wurden Fleischstücke herausgetrennt. Die Verstorbenen wurden nicht mehr registriert.” Peeters schreibt einen letzten Brief an seine Lieben in der Heimat: “Meine Zeilen wurden als letztes Lebenszeichen und Abschiedsbrief aufgenommen. Danach herrschte jahrelang Funkstille. Für meine Familie galt ich als vermisst in Stalingrad.”

Peeters kehrt 1949 aus russischer Gefangenschaft zurück, Pfarrer Raab jedoch sieht die Heimat nicht wieder. Seine Besuche in den Bunkern, Ruinen und Schützenlöchern geben vielen Soldaten Kraft und Hoffnung. Andere klammern sich an die “Madonna von Stalingrad”, die der Arzt und Pfarrer Kurt Reuber auf die Rückseite einer russischen Karte zeichnet, und die heute in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aufbewahrt wird.

Reubers Bunker bei der 16. Panzer-Division wird innerhalb weniger Tage zu einer Pilgerstätte für viele Soldaten. Am 25. Dezember liest Raab vor 600 Soldaten in einer Scheune ohne Fenster und Türen die Messe, für ihn treibt die Wehrmacht noch ein Auto auf, so geht es von Messe zu Messe, am 26. Dezember hält er auf einem Flugplatz vor 250 Fliegern einen Feldgottesdienst ab. Er schleppt sich in Lazaretten von Bett zu Bett, dann von Bunker zu Bunker. An die Gemeinde in Viersen schreibt er: “Die Erlebnisse und Gnadenstunden, die sich hinter dieser nüchternen Aufzählung verbergen, sind allein bei Gott verzeichnet. Ich schreib dies alles ja nicht zu meinem Ruhme, nein meine Lieben, ich schrieb es nur, um Euch teilnehmen zu lassen an meiner Festesfreude in dieser armen bedrängten Lage.”

Die Kapitulation der Reste der 6. Armee am 2. Februar erlebt Pfarrer Raab nicht mehr.

Er liest den Soldaten noch die Neujahrsmesse, bevor er im Timoschenko-Bunker, der von einem Lazarett längst zu einem Sterbelager geworden ist, in Gefangenschaft geht – und weitermacht. Die Russen richten den bekennenden katholischen Priester, der heute als einer von 18 Blutzeugen des Bistums Aachen aus der Zeit des Nationalsozialismus verehrt wird, durch Kopfschuss hin. In Raabs letztem Brief, der Viersen erst nach seinem Tod erreicht, heißt es: “Helft uns durch Euer Gebet, wir können bald nicht mehr. Und doch halte


Der Beitrag wurde am Samstag, den 26. Januar 2013 um 23:41 Uhr unter der Kategorie Vorstand veröffentlicht. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen und selbst einen Kommentar schreiben.

3 Reaktionen zu “Stalingrad 1942 - Weihnachten in der Hölle”


  1. Klaus Schlincke

    stalingrad war damals - soldatenfriehof orscha ist heute. - dort sind ca. 540 opfer zu bergen. alles bekannt, grablagen, grabnummern, es gibt eine luftbildaufnahme und einen kartenausschnitt zum
    kriegerfriedhof orsch-flugfeld. - und sicher liegen
    in kassel oder bei d.d., berlin die meldungen der da-
    maligen begräbnisoffiziere komplett vor.
    +++ warum werden die angehörigen der toten so lange -
    heute 68 jahre - hingehalten und auch fehlinformiert?

    lt. focus ist der vdk doch ein großes unternehmen.
    ca. 650 Mitarbeiter sollten doch etwas bewegen
    können in sachen belarus. verträge kriegsgräber mit
    belarus sind von 1996, ja 1996 - bis dato nicht ratifiziert. armes deutschland + klaus schlincke +

  2. Markus Tetz

    Ja ja der Volksbund es gibt noch viel viel mehr Kriegsgräber die bekannt sind,aber da es sich oft um einzel,oder kleinere Grabanlagen(ca 3-10)Handelt, ist der Volksbund nicht darran Interresiert.
    Sie wollen nur Große und Größte aufsuchen da sie nach meinen Informationen ein sogenantes “Kopfgeld” für die Umbettung bekommen und kleinere Vereine nicht erlauben dies zu Tun denn der Volksbund hat ein Monopol auch wenn diese Kleinen es oft Umsonst und mit Spenden der nächsten Angehörigen machen Würden.
    Und der Volksbund auserdem ganz groß Werbung macht was es Koster einen Gefallenen zu Bergen und Umzubetten na ja dann sollten sie diese Werbung lieber Lassen.
    Es könnten noch viel,viel mehr Schiksale geklärt werden.
    Wie schon klaus schlincke Schrieb
    “Armes Deutschland”

  3. KLAUS SCHLINCKE

    + man wird es nicht glauben + Tote in Weissrussland +

    - Kriegerfriedhof Orscha, Süd - ca. 540 damals Eingebettete - mein Vater auch-liegen da einfach rum. Kleingärten sind heute dort auf dem ehem Ehrenfriedhof. Aber über eine private Initiative konnte Nov.2012 ein Plan “Grablagen mit Nummern der Gräber” öffentlich gemacht werden. Es geht also: man muss nur ran, auch wenn es um
    das problematische Belarus geht. ca. 190.000 deutsche Kriegstote liegen in Belarus noch unbeerdigt im Gelände rum. Eingebuddelt - wie tote Ratten.- Seit 1945 ist das so.
    Die deutsche Wehrmacht hat damals die eigenen Gräber platt gemacht. Der Feind sollte die deutschen Verluste nicht an den Gräbern erkennen können. So war es. +


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